Wanderfreunde Hochspessart - Rothenbuch e.V.
Die Rauersbuch Wanderung

 

Durch die Siedlung zum Gobertsrain

 

Kennzeichen der Wanderung

  1. Quelle der Hafenlohr, Kriegerdenkmal
  2. Siedlung, Dr. Karl Brandt Str.
  3. Kriegsschauplatz Altes Rad
  4. Lohrer Berg
  5. Gobertsrain
  6. Rabenhausen
  7. Jägerwiese

 

Länge

Ca. 7 km

 

Empfehlung

Herbst und Winter

 

 

Beschreibung des Weges 

 

Die Wanderung durch einen dunklen Teil der deutschen Geschichte beginnt am Schlossplatz. An der Westseite der Hauptstraße befindet sich die Quelle der Hafenlohr mit ihrer Einfassung aus den 30er Jahren. Neben dem Eingang zur Quelle steht das Kriegerdenkmal. Der Weg geht weiter, vorbei am Gasthaus Löwen, bis zur Haselgrundstraße auf der rechten Seite. Die Haselgrund­straße wird bis zur oberen Ein­mündung der Dr. Karl Brandt Straße durchwandert, bevor es links in die eben genannte Straße geht. Nach ca. 200 m geht diese in einen Feldweg über, der mit Betonplatten belegt ist. Auf halber Höhe bis zum Waldrand geht ein Feldweg in engem Bogen steil links ab. Der Weg führt zurück zum Lohrerberg und verläuft dann den Hügel herunter bis zur Straße nach Lohr. Diese wird am Waldrand überquert und der weg verläuft auf der anderen Seite der Straße am Waldrand weiter entlang. Am Waldrand befindet sich der Gedenkstein an den DAD. Weiter verläuft der Weg immer gerade aus, am Waldrand entlang, bis etwas oberhalb eines Kuhstalls auf der linken Seite. Hier geht es links den Hügel hinab, am Stall vorbei und dahinter wieder links bis zum Ort. Die erste oder zweite Straße auf der linken Seite führt zurück zur Jägerwiese. Durch die kleine Parkanlage verläuft der Weg an den Rothenbucher Stuben vorbei zurück auf die Straße und unterhalb der Kirche die Treppen zur Kirche hinauf. An Kindergarten und Schule vorbei erreicht der Wanderer wieder Rathaus und Schlossplatz. 

 

 

Wissenswertes

Gleich neben dem Schlosseingang im ehemaligen Schlossgraben an der Westseite der Hauptstraße befindet sich die Quellfassung der Hafenlohr, die von dort aus zunächst hinter dem Schloss her und dann am Rathaus vorbei fließt. Über der gemauerten Einfassung war früher ein Hakenkreuz angebracht, welches lange nach dem Krieg von einem unbekannten „Künstler“ in einer Nacht und Nebelaktion weg geschlagen wurde. Noch heute wird diese Anekdote gern mit Hochachtung erzählt. Ebenfalls Hochachtung wird allen Gefallenen der Weltkriege am Kriegerdenkmal von 1955 entgegen gebracht. Vor dem Zeitpunkt befand sich an der Stelle ein anderes Kriegerdenkmal im Andenken an den Krieg von 1870/71. Wegen seines guten Zustandes wurde das alte Denkmal auf den Friedhof verlegt und das neue aus Mainsandstein vom ortsansässigen Steinmetz Hermann Reichert realisiert.

Auf der Hauptstraße führt der Weg vorbei am Gasthaus Löwen bis zur Einmündung der Haselgrundstraße auf der rechten Seite. Früher stand auf der Ecke, wo heute der Gedenkstein unter dem Baum steht eine Garage für die Postbusse, die zwischen Rothenbuch und Lohr verkehrten. Noch heute wird der beliebte Treffpunkt bei Einheimischen „an der Autohalle“ genannt. Noch in den dreißiger Jahren war dieser Teil Rothenbuchs im Haselgrund nur sehr spärlich bebaut. Im Zuge eines „großen“ Besiedlungsplanes sollten im unteren Teil der Haselgrundstraße zehn so genannte „Siedlungshäuser“ entstehen, die vom Reichsarbeitsdienst gebaut wurden. Sechs entstanden 1934 und stehen teilweise in der ursprünglichen Erscheinung noch heute auf der rechten Straßenseite nach dem Knick und der Abzweigung in die Dr. Karl Brand Straße. Die Arbeiter des Arbeitsdienstes waren im Arbeitslager 4/285 am Bischborner Hof untergebracht. Das Lager dort bestand bis zum Herbst 1938, danach wurde es als Nachschublager der Wehrmacht verwendet. Die Arbeiter hatten bis dahin „Kulturarbeit“ verrichtet und Forstwege und den Wildzaun um Rothenbuch ausgebessert. Der Zaun hielt damals insbesondere Wildschweine aus der Rothenbucher Flur, in der Ackerbau betrieben wurde. Das Haus Rolandstraße 2 wurde ebenfalls errichtet, um zunächst als HJ-Heim zu fungieren, später dann als Dienstwohnung der Ortspolizei, so dass es heute noch den Namen „Gendarmenhaus“ trägt, obwohl es schon lange ein gewöhnliches Wohnhaus ist. Rothenbuch hat also in den ersten Jahren des Nationalsozialismus etwas profitiert. Im Verlaufe des Krieges wurde es jedoch immer wahrscheinlicher, dass auch um den Spessart gekämpft werden müsste.

Als die Amerikaner vor Lohr standen, sprach sich der rothenbucher Arzt Dr. Karl Brand für eine kampflose Übergabe der Stadt aus. Für diese Meinung wurde er wegen „Wehrzersetzung“ standrechtlich erschossen. Im andenken an ihn trägt heute eine Straße in Rothenbuch seinen Namen. Sie verbindet als Bogen das obere und untere Ende der Haselgrundstraße. An der oberen Einmündung führt der Wanderweg zunächst in die Dr. Kral Brand Straße, aber nach kurzem schon geradeaus in einen Feldweg, der mit Betonplatten ausgelegt ist. Auch dies ist ein Überbleibsel des Krieges, denn um Truppentransporte durch den Spessart zu begünstigen, wurde die Hauptstraße ausgebaut und verstärkt sowie einige Forstwege ebenfalls mit Betonplatten geebnet, um Geschütze besser in Position bringen und versorgen zu können. Einen dieser Wege (zur Flur „Altes Rad“) führt die Wanderung entlang. Erst zum Ende des Krieges, als die Alliierten Streitkräfte schon mitten in Deutschlag standen, kam es zu Gefechten um Rothenbuch.  Am Waldrand nahe Kniebrech und Pflanzgarten wurden Geschütze aufgefahren, die Straße nach Lohr (und auch alle anderen Straßen nach Rothenbuch) mit gefällten Bäumen gesperrt, um den Panzern das Vorrücken zu erschweren. Tatsächlich rückten die Amerikaner von Weibersbrunn aus kommend auf Rothenbuch vor, so dass bei den Gefechten hauptsachlich dieses Ende des Dorfes (Setzbornstraße) in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Am Ende des mit Platten ausgelegten Weges führt ein Feldweg in einem steilen Bogen nach links den Lohrer Berg hinauf. Der Wanderer wird mit herrlichen Aussichten über Rothenbuch belohnt. Auf der anderen Seite des Lohrer Berges führt der Weg Richtung der Straße nach Lohr den Hügel hinab. Die Straße wird dort überquert, wo in den letzten Kriegstagen die Straßensperre errichtet wurde.

Auf der anderen Straßenseite beginnt die Waldabteilung „Gobertsrain“. Etwas den Berg hinauf befindet sich auf der rechten Seite des Weges ein Gedenkstein an die Arbeit des Reichsarbeitsdienstes (heutige Inschrift DAD). Auch hier wurde das Hakenkreuz entfernt, der Gedenkstein selbst aber blieb, da die Arbeit für Rothenbuch nützlich war, auch wenn das Kriegsende mit Schrecken viel Zerstörung in das kleine Dorf gebracht hatte.

Der Weg führt weiter am Waldrand entlang vorbei an der Flur „am neuen Wiesenweg“ und oberhalb der „Petrihütte“ bis zu den „kleinen Waldteilen“. Hier biegt der Weg ab und führt dann Richtung Ortsteil Rabenhausen in den Heigenbrücker Weg zurück. Nach der Durchquerung der Jägerwiese führt der Weg zur Kirche hinauf, um einen guten Blick über einen Teil des Ortes zu erhalten, der ebenfalls stark zerstört wurde. So kam es zu Dach- und Fensterschäden an der Kirche. Auch das alte Pfarrhaus war bei Tieffliegerbeschuss getroffen worden.

Wie kläglich ist die 1933 noch so großspurig gepriesene Zeit zu Ende gegangen. Am 23. Juni 1933 wurde mit großem Aufwand eine Sommerwendfeier begangen. Im feierlichen Zug bewegten sich alle Schüler und Lehrer, SS-Reiter, SA und Hitlerjugend durch das Dorf. Auf dem Tiergartenberg brannte ein imposantes Feuer und am Damm hielt der nationalsozialistische Bürgermeister Anton Geßler eine Ansprache. Der Wanderer hat die Möglichkeit, am Hang des Tiergartenberges, vorbei an Kindergarten und Schule zum Rathaus zu gehen im andenken an die Fehlleitung der Menschen damals. Wie sehr die Fehlleitung später eingeschätzt wurde, zeigt die Tatsache, dass das Gemeindearchiv so gut wie keine Aufzeichnungen aus dieser Zeit mehr aufweist, da schließlich von den Verantwortlichen „vorsorglich“ alles vernichtet wurde.

Zurück am Kriegerdenkmal ist alles zu sehen, was der Krieg gelassen hat – Zerstörung und Tod.        

 

Auf dem Lohrer Berg Gedenkstein des DAD Kriegerdenkmal am Schloss

    

 

 

 

 

 

 

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