Pressestimmen

Auf dem Schlangenweg zur Elsbeere

„Die Wanderung der Wanderfreunde Rothenbuch im Steigerwald stand bis zum Schuss auf wackeligen Beinen, da der Weg aufgrund des vielen Regens in der letzten Zeit matschig bis unpassierbar war“, berichtet Michaela Orth. Erst kurz vorher konnte Wanderführer Franz Götz, seines Zeichens Förster a.D., die Wanderung bestätigen, und so fuhren am 26.5.24 gegen 9 Uhr 11 Wanderer aus Rothenbuch in drei PKW Fahrgemeinschaften zum Treffpunkt nach Zell am Ebersberg, wo der Förster mit seiner Frau die Wandergruppe empfing.
Die Idee zu diesem Ausflug stammte von Franz Wagner. Michaela Orth, die Wanderwartin des Rothenbucher Wandervereins hatte diese gern in den Jahresplan aufgenommen. Seinen Namen hat der faszinierende Pfad von den vielen unberührten Canyons und Schluchten, um die er sich herum- oder daran vorbeischlängelt. Aufgrund des schlechten Wetters im Vorfeld war der matschige Weg nur mit festem Schuhwerk und Wanderstöcken passierbar. Start der Wanderung war der Naturwald Knetzberge Böhlgrund. „Die einsamen Wälder, die unberührten Canyons und Schluchten sind hier sehr beeindruckend und es ist sehr schön, wie sich der Böhlbach immer seinen Weg sucht, einfach Klasse“, so Orth.
Die beiden Wanderführer Franz Wagner und Franz Götz beide Förster a.D. hatten viel über den Wald zu erzählen. Sie berichteten unter anderem über die Elsbeere die dort häufig vorkommt und die mit Abstand am teuersten bezahlte Holzart ist, die vornehmlich im hochwertigen Innenausbau und Möbelbau unter dem Handelnamen „französischer Birnbaum“ eingesetzt wird. Zudem ist sie ein gesuchtes Spezialholz im Musikinstrumentebau und wegen ihrer hohen Formbeständigkeit für die Herstellung von Zeichengeräten und Messwerkzeugen.
Die Wanderung und die Informationen der Förster waren auch deshalb für die Rothenbucher so interessant, weil sie über den Waldumbau und den Nationalpark berichteten, also ein Thema, was die Spessarter mit der Diskussion um das Biosphärenreservat direkt betrifft. „Erfahrung aus erster Hand mit viel Wissenswertem über den Wald und einer wunderschönen Landschaft ließen die Wanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Wir sagen vielen Dank and Franz und Franz für diesen wunderschönen Sonntag im Steigerwald“, so das Fazit der Wanderwartin. Bevor es mit den PKW wieder nach Hause ging, wurde der Tag in der Brauereigaststätte Göller „Zur alten Freyung“ bei urig leckerem Essen und einem kühlen „Seidla“ im Tonkrug abgerundet.

Rothenbucher Wanderfreunde im „Aschaffenburger Hexenkessel“

Mich hätte man damals sicher als Hexe verbrannt“, so eine der Teilnehmerinnen bei der Führung in Aschaffenburg zum Thema Hexen zu der sich 25 interessierte Teilnehmer*innen am Samstag den 3. Februar um 18:00 vor dem Schloss eingefunden hatten. Geführt von Roswita Kolter-Alex ging es für die Rothenbucher Wanderfreunde in eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Zur Einstimmung erfuhren die Zuhörer, wie der große Kirchenphilosoph Thomas von Aquin über Frauen dachte: „Die Frau ist ein Missgriff der Natur… mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuss und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger… eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann….“ Von diesem gedanklichen Ausgangspunkt aus und vor dem Hintergrund des großen Aberglaubens in der frühneuzeitlichen Gesellschaft ging es schnell um die Frage, was eine Hexe ist und welche äußeren Merkmale sie auszeichnen. Wenig erstaunlich war für die modernen Zuhörer, dass fast jeder Mensch Male am Körper hat, die damals dem Teufel zugeordnet wurden. Frauen, aber auch Manner, die „ins Geschrei“ gekommen waren und drei mal von unterschiedlichen Personen „besagt“ wurden, mussten mit einem Hexenprozess rechnen, der in der Regel mit der Folter begann, solange bis ein Geständnis vorlag, welches dann die Grundlage für das Urteil und die Verbrennung auf dem Scheiterhaufren bildete.
„Das Thema passt in die Faschingszeit, in der in vielen Regionen Deutschlands böse Verkleidungen Tradition haben, und es betrifft unsere regionale Geschichte“, fand Michaela Orth, die Wanderwartin der Rothenbucher Wanderfrreunde, die diese Tour vorbereitet hatte. „Manches Verhalten von damals können wir heute in die Welt der sozielen Medien übertragen, denn damals wie heute gibt es Fake News und allerhand Verleumdungen, die für die Betroffenen schlimme Konsequenzen haben“, ergänzte der Pressewart der Wanderfreunde Peter Placke.
Nach etwa 90 minütiger Tour um das Aschaffenburger Renaissance Schloss, welches zu der Zeit der hauptsächlichen Hexenverfolgung, die zwischen 1590 und 1630 über 300 Frauen, Männer und Kinder das Leben gekostet hat, errichtet wurde und ohne zu vergessen durch die dunkle, enge Hexengasse zu gehen, die heute Fischergasse heißt, endete die Tour bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt für viele – natürlich hauptsächlich für die Frauen – mit leichter „Untertemperatur“ und alle waren froh, sich bei Speis und Trank zum Abschluss im Gasthaus Schlappeseppel wieder aufwärmen zu können. „Ich bin sehr erleichtert, heute zu leben und nicht damals“, beschloß Michaela Orth den interessanten und aufschlussreichen Gang durch die Aschaffenburger Geschichte, bevor es für die Rothenbucher Wanderfreunde mit dem Spätbus zurück in den Spessart ging.